Ungewöhnlich und Bemerkenswert

Briare : bateau et cyclotouristes sur le pont-canal Briare : bateau et cyclotouristes sur le pont-canal © C. Mouton

Das Val de Loire : Ein Natur- und kulturerbe voller überraschungen

An jeder Flusswindung wartet ein ungewöhnliches Bauwerk

Eine Schifffahrtsstraße auf Stelzen? Das ist die gigantische Kanalbrücke in Briare, die es den Booten ermöglicht, die Loire zu überqueren. Seine Metallstruktur lehnt sich direkt an die Werke des Ingenieurs Gustave Eiffel an, zum Beispiel an den nach ihm benannten Turm.

Pile funéraire romaine de Cinq-Mars-la-Pile Pile funéraire romaine de Cinq-Mars-la-Pile © L. Savignac

Eine Kirche aus der Zeit Karls des Großen? Sie ist nur wenige Pedaltritte entfernt, in Germingy-des-Prés. Ihre Kapelle ist eines der ältesten christlichen Gebäude in Frankreich und wurde von einem engen Vertrauten des Kaisers errichtet. 

La Loire à Vélo gibt Ihnen die Gelegenheit, entlang der Strecke kuriose, verspielte und auch ein wenig schräge Kulturgüter zu entdecken. Wenn Sie dem Fluss folgen, kommen Sie zum Beispiel nach Saint-Dyé-sur-Loire, das von Franz  I. ausgewählt wurde, als Hafen für Chambord zu dienen. La Fontaine, Molière und d'Artagnan waren in diesem charmanten Dorf zu Gast, das nur 15 km von Blois entfernt ist.

Ein Leuchtturm so weit von der Küste entfernt?

Ein bisschen weiter stromabwärts, aber immer noch 150 km vom Meer entfernt, ist das etwa ein Leuchtturm? Der ungewöhnliche Ziegelturm von Cinq-Mars ist in Wahrheit ein gallo-römischer Grabstein aus dem 2. Jahrhundert nach Christus. Dieses Grabdenkmal mit einer Höhe von 30 Metern ist außergewöhnlich, es markiert vielleicht das Grab eines hochrangigen Soldaten.

Und in Bréhémont, ca. 12 Kilometer stromabwärts, sind diese kleinen Gebäude vielleicht antike Zeitungskioske?  Weit gefehlt! Diese in der ganzen Region bekannten Gebäude sind die letzten beiden Exemplare von 5 öffentlichen Urinalen, die 1872 eingeweiht wurden. Sie dienten vor allem den Schiffern, die stark zum Wohlstand des Dorfes beitrugen.

DIE VERBORGENEN WERTE DER HÖHLENWOHNUNGEN

Die Höhlenwohnungen sind eine Besonderheit der Gegend haben zahlreiche Überraschungen parat

Passage troglodytique à Souzay-Champigny Passage troglodytique à Souzay-Champigny © J.P Klein

Vom Radweg aus können Sie die mit Türen und Fenstern gespickten Felsen erkennen. Ein wirklich erstaunlicher Anblick. Zwischen Chaumont-sur-Loire und Saumur erheben sich die Ufer der Loire in steilen Felswänden, die von den Anwohnern ausgehöhlt und zu bequemen Höhlenwohnungen ausgebaut wurden. Das beste Beispiel? Das faszinierende Höhlental von Goupillières in Azay-le-Rideau.

Eine Nacht in der Felsenwand

Heute können Sie diese bemerkenswerten Wohnungen selber ausprobieren. Gästezimmer oder Hotels im Felsen ermöglichen Ihnen ein Leben wie die Höhlenmenschen... nur mit weit mehr Komfort. Les Hautes-Roches in Rochecorbon, Troglododo in Azay-le-Rideau oder die Demeure de la Vignolle in Turquant bieten Ihnen an, eine Nacht in diesem Höhlenambiente zu verbringen.

Auch in der Ebene gibt es diese Höhlenwohnungen. In den Untergrund gegrabene Höfe, alte Steinbrüche… die besten Beispiele finden Sie rund um Doué-la-Fontaine oder Louresse-Rochemenier.

Ideale Lagerbedingungen für die Weine der Loire

Les caves du Saumurois Les caves du Saumurois © E. Caracciolo

Der größte Vorteil dieser Höhlen? Temperatur und Feuchtigkeit bleiben stets konstant. Ideal für den Wein! In diesen Tuffsteingalerien reifen die besten Crémants de Loire (Schaumweine aus dem Anjou, der Gegend um Saumur und aus der Touraine) ganz ungestört. Hier erhalten insbesondere die trockenen Saumur-Sekte ihren letzten Schliff. Entdecken Sie alle Geheimnisse dieser Schaumweine der Loire bei einem Besuch in den unterirdischen Kellern und ihren kilometerlangen Galerien.

Leckeres Essen unter der Erde

Hier haben Sie kein Loch im Bauch sondern im Loch wird dieser lecker gefüllt… Denn in den Höhlen wird auch gekocht! La Fouace (auch Fouée genannt), ein kleines Brot, von dem schon François Rabelais schwärmte, kann hier noch frisch aus dem Holzofen probiert werden. Serviert mit Rillettes, Ziegenkäse oder Moguettes (dicken weißen Bohnen) ist das ein wahres Festmahl… Appetit? Ab in Richtung Rou-Marson, Grézillé, Louresse-Rochemenier oder auch Doué-la-Fontaine und Tours, um diese Spezialität zu testen.

Poires tapées Poires tapées © C. Lazi

In der Touraine sind die Birnen „tapées“. Genau wie die Äpfel im Anjou. Dabei handelt es sich um ein Rezept aus dem Mittelalter, um die Früchte besser haltbar zu machen. Man ließ sie trocknen, dann wurden sie mit einem Hammer platt geschlagen. Daher der Ausdruck geschlagene (tapées) Birnen und Äpfel. Sie werden als Trockenobst verzehrt oder in einem Wein (Touraine oder Anjou, versteht sich) wieder befeuchtet. Man findet sie in Marmeladen oder Terrinen, als Aperitif oder im Dessert.

Ein Paradies für Champignons

Die zahlreichen dunklen und feuchten Steinbrüche und Höhlen bieten einen idealen Standort für Champignons.  In der Touraine und der Gegend von Saumur wird die Hälfte der französischen Produktion an Champignons angebaut.  Ein Rat: Nach der Besichtigung einer dieser Champignonfarmen sollten Sie sich die Zeit für eine Galipette nehmen. Das Rezept? Ein großer gefüllter, im traditionellen Brotofen gebackener Champignon. Einfach nur lecker!

Wenn sie die Loire verschaukelt

Auch direkt auf dem Wasser kann man die Loire genießen. Begeben Sie sich an Bord eines der Flachboote oder eines Tretkatamarans und gönnen Sie sich einen langen romantischen Ausflug oder einfach eine Überfahrt.  Der Fluss war zu jeder Zeit ein günstiges Terrain für die Navigation. Kein Wunder, dass sich die Loire zu einem Paradies für Bootsliebhaber entwickelt hat. Das gilt aber auch für die professionelle Schifffahrt, davon zeugen unter anderem die Kais des Hafens von Bréhémont, mit den wunderbaren Häusern der Reeder sowie den beiden alten Urinalen aus dem Jahr 1872, die für den Komfort der Binnenschiffer eingerichtet wurden!

Entdecken Sie die traditionelle Schifffahrt auf der Loire

Une toue cabanée sur la Loire Une toue cabanée sur la Loire © J. Damase

Seit Jahrtausenden befahren Menschen die Loire in traditionellen Flachbooten. Warum Flachboote? Um auf das Vorhandensein der zahlreichen Sandbänken dieses sprunghaften Flusses zu reagieren. Lernen Sie, zwischen den Toues, den Gabares, Fûtreaux und Plates zu unterscheiden. Die Schiffer auf diesen Booten freuen sich immer, ihre Leidenschaft für die Loire mit Ihnen zu teilen.

Fast auf dem gesamten Parcours von „ La Loire à Vélo“ werden diese Boote eingesetzt. in Sigloy (Loiret), in Blois, in Chaumont-sur-Loire (Loir-et-Cher), Candes-Saint-Martin (Indre-et-Loire) oder in  Angers (Maine-et-Loire). Ein Essen mit der Familie, ein romantischer Ausflug zu Zweit oder einfach eine kommentierte Ausfahrt, alle Formeln sind im Angebot.

Die Fähren über die Loire

Bac de Loire Bac de Loire © J.D Billaud / Nautilus

Zahlreiche Brücken sorgen heute für eine Überquerung der Loire, die wichtigste Brücke ist die von Cheviré, die mit ihren 52 Metern den Fluss und die Stadt Nantes dominiert. Anfang des 20. Jahrhunderts sah das noch ganz anders aus. Um das Fehlen von Brücken im Mündungsgebiet des Flusses zu kompensieren, wurden fünf Fähren eingesetzt, die eine Kontinuität des Straßennetzes gewährleisteten. Heute sind nur noch zwei Fähren in Betrieb, zwischen Basse-Indre und Indret und zwischen Le Pellerin und Couëron. Auf der Route von La Loire à Vélo nutzen Sie die Fähre zwischen Couëron und Le Pellerin.

Die Überfahrt ist kostenlos und ein echtes Erlebnis für Groß und Klein. Mit dem Rad, zu Fuß oder mit dem Auto, die Erfahrung lohnt sich.

Etwas ganz anderes… das Aquacycle

Pédalo sur la Loire Pédalo sur la Loire © D. Dodokal - Loire Vélo Nature

Von dieser doch recht eigenwilligen Bootsvariante gibt es weltweit nur 20 Stück. Wie sollen wir es beschreiben? Es ist eine geglückte Verbindung zwischen einen Tretboot und einem Katamaran, die von einem Luftfahrtingenieur von Guadeloupe entwickelt wurde.

Mit diesem unsinkbaren, sehr leicht zu beherrschenden und wenig anstrengenden Boot können Sie überall auf der Loire herumfahren, auch bei sehr geringer Wasserhöhe. Dadurch gelangen Sie auch zu den kleinen Inseln, die vorwiegend von Bibern und Reihern bewohnt werden.  In Bréhémont können Sie in Begleitung eines Naturführers Ausflüge von wenigstens drei Stunden mit dem Aquacycle unternehmen und den Fluss von einer ganz anderen Seite kennenlernen. 

Orte, die Keinem anderen gleichen

Von der Kunst veränderte oder der Natur zurückgegebene Landschaften, das Mündungsdelta von Nantes und der Schieferbruch von Trélazé lassen sich mit nichts vergleichen

Das Mündungsdelta von Nantes bis Saint-Nazaire: Ein einziges Freiluftmuseum

Dieser Ansatz ist einzigartig: Werke zeitgenössischer Künstler von Weltruf entlang der 60 Kilometer, die Nantes von Saint-Nazaire trennen. Und dafür sorgen, dass die Werke auch dort verbleiben. Bis zum heutigen Tag wurden bereits fünfzehn Werke aufgestellt, verteilt auf das Mündungsdelta, wo sie mit der Landschaft und der Umgebung spielen, aber auch mit der Geschichte der Orte, an denen sie aufgestellt wurden.

Daniel Buren et Patrick Bouchain, Les Anneaux, Nantes, oeuvre pérenne Estuaire 2007 Daniel Buren et Patrick Bouchain, Les Anneaux, Nantes, oeuvre pérenne Estuaire 2007 © J.D Billaud / Nautilus

Einer der medienwirksamsten Künstler dieser Aktion ist sicherlich der Franzose Daniel Buren. Seine leuchtenden Ringen markieren den Zugang zum Hangar à Bananes, einem In-Treffpunkt bei Nantes.

In Couëron hat der Däne Jeppe Hein sein Did I miss something (Habe ich etwas verpasst) aufgestellt.    Der Besucher setzt sich auf eine Bank an der Loire und kann staunend miterleben, wie sich ein 20 Meter hoher Wasserstahl erhebt. Er steht auf, und der Wasserstrahl verschwindet. In diesem Moment versteht er, dass er das Phänomen ausgelöst hat.

Misconceivable de Erwin Wurm, Le Pellerin, oeuvre pérenne Estuaire 2007 Misconceivable de Erwin Wurm, Le Pellerin, oeuvre pérenne Estuaire 2007 © Gino Maccarinelli

Einen weiteren Gag findet man in Le Pellerin mit dem weichen Boot des Österreichers Erwin Wurm. Misconceivable ist ein 9 langes Segelboot, das auf einem Kai des Canal de la Martinière steht. Es wird vom Wasser magisch angezogen und biegt sich, verformt sich und fällt fast hinein…

Das zweite Leben der Schieferbrüche von Trélazé

Mines ardoisières de Trélazé Mines ardoisières de Trélazé © F. Tijou / Angers Loire Métropole

Die berühmten Schieferplatten auf den Dächern der Häuser des Anjou kommen zu einem guten Teil von hier, aus Trélazé, der Hauptstadt des Schiefers, wo sie bereits ab dem
 15. Jahrhundert abgebaut wurden.

Heute ist dieser Schieferabbau beendet und der Ort wurde zu einem 100 Hektar großen Naturgelände, das auf seine Art einzigartig ist.  Ausgehend von einem schönen blauen See können Sie eine einzigartige Flora erkunden, die sich auf diesem trockenen Schieferboden entwickelt hat. Profitieren Sie auch vom Schatten und der Frische im Eichen- und Birkenwald, der vom einem kleinen Bach durchquert wird.

Die östliche Antenne der Rundstrecke  von La Loire à Vélo durch das Anjou durchquert dieses einzigartige Ensemble, von la Paperie bis zum Port de la Chevallerie.

Das Außergewöhnliche in Bildern